Nach Übernahme: Bleibt Sybac Solar in Kehrig?

Wirtschaft Firma braucht Platz, um zu wachsen

 

Von unserer Redakteurin Anne Fuhrmann

 

Kehrig. Paris, Tokio, Barcelona, Bangkok, Malmö – und neuerdings Kehrig. Zu den insgesamt weltweit mehr als 50 Standorten der Baywa r.e. zählt seit kurzer Zeit auch die Vordereifelgemeinde. Nach der Übernahme der Service-Sparte des Fotovoltaik-Projektentwicklers Sybac Solar läuft im Gewerbegebiet „Rote Hohl“ der Betrieb weiter. Doch wie lange noch? Wird Kehrig bald ein bekanntes Unternehmen verlieren?

Anfang dieses Jahres hat Baywa r.e., eine weltweit tätige Gesellschaft mit Hauptsitz in München, das Service-Geschäft des deutschen Projektentwicklers Sybac Solar GmbH aufgekauft. Schon vorher war das Unternehmen in den Bereichen Wind, Solar und Bioenergie aktiv. Seit 2009 konzentriert sich die Gesellschaft, deren Ursprünge in der Agrarwirtschaft liegen, auf das Gebiet der erneuerbaren Energien, sagt Marc Niem, Geschäftsführer der Baywa r.e. Operation Services, der für die technische Betriebsführung von Anlagen zuständig ist. Mit der Übernahme wolle man die Position auf dem deutschen Fotovoltaikmarkt stärken, heißt es dazu in einer Pressemitteilung.

Erst kürzlich ist die Sybac Service GmbH mit der Baywa r.e. Operation Services GmbH verschmolzen. Im Zuge der Akquisition wurden nach eigenen Angaben alle 24 ehemaligen Sybac-Service-Mitarbeiter übernommen. Die Angestellten in Kehrig sollen das entsprechende Team der Baywa r.e. ergänzen, der zusätzliche Firmenstandort soll für zusätzliche Kundennähe und eine bessere Verfügbarkeit bei der Wartung von Anlagen sorgen, die im Bundesgebiet verteilt sind. Daraus ergeben sich nach den Worten von Niem einige Synergieeffekte. „Es ist uns nun möglich, Aufträge zu kombinieren und die einzelnen Teams in Deutschland besser zu organisieren“, erklärt er. Bisher war der Radius sehr groß, der vom Standort Kehrig abgedeckt werden musste.

Die Baywa r.e. Operation Services kümmert sich vor allem um Windräder und Solarparks. Die Mitarbeiter überwachen den Betrieb der betreuten Anlagen, schicken bei Problemen einen Techniker und erledigen präventive Wartungsarbeiten. Von Kehrig aus wird außerdem die Montage von großen Fotovoltaikanlagen, die im industriellen Maßstab errichtet werden, gesteuert. Weltweit werden insgesamt rund 1300 Projekte von der Baywa r.e. betreut.

Und das Unternehmen will in den Segmenten Windkraft und Solar weiter wachsen – auch in Kehrig. Obwohl die Einspeisevergütung für Fotovoltaikanlagen im Sinkflug ist, ist die Auftragslage gut. Niem spricht von einem Umbruch in der Branche: „In den vergangenen Jahren haben wir eine steigende Nachfrage für große Solaranlagen. zum Beispiel bei Supermärkten, festgestellt“, sagt er. Eine Förderung sei heutzutage nicht mehr nötig, damit sich eine solche Investition lohne.

Um künftig mehr und mehr Projekte übernehmen und auch die Niederlande und Belgien betreuen zu können, ist das Unternehmen derzeit auf der Suche nach weiteren Mitarbeitern. 15 neue Leute sollen am Standort Kehrig hinzukommen. Einige Fachkräfte wurden bereits neu eingestellt, sodass derzeit 28 Menschen in Kehrig beschäftigt sind. Schon bald könnte es damit auf dem jetzigen Grundstück aber zu eng werden. Dort gibt es nämlich keinen Platz für einen Anbau.

Aufgrund der günstigen geografischen Lage würde die Baywa r.e. am liebsten in Kehrig bleiben. Das aber wird vermutlich schwierig, sagt Ortsbürgermeister Herbert Keifenheim. Er würde das Unternehmen gern in seiner Gemeinde halten. „Aber wir haben keine Fläche anzubieten“, erklärt er. Momentan sieht es so aus, als ob die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets vorerst nicht realisiert werden kann, weil die Flächen von der Gemeinde nicht angekauft werden können. „Es wäre leider nicht die erste Firma, die abwandert“, bedauert Keifenheim.

Noch aber ist es nicht so weit. Wie Niem betont, schaut sich das Unternehmen zwar schon in der Region nach größeren Standorten um. Eine Entscheidung soll aber erst im kommenden Jahr getroffen werden.

Weitere Infos im Internet unter www.baywa-re.de

Solarparks und Windräder sind das Geschäftsfeld der Baywa r.e. Operation Services, die die Firma Sybac Solar in Kehrig übernommen hat. 

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Marc Niem (links), Geschäftsführer der Baywa r.e. Operation Services, und Student Steven Maibach, der in Kehrig gerade an seiner Bachelorarbeit schreibt, präsentieren ein Solarmodul.Foto: Anne Fuhrmann