Welcher Ort hat die Nase vorn?

Zukunftspreis Kommission bereist auf Kreisebene die Gemeinden und erfährt Interessantes

Kreis MYK. Es geht streng nach Bewertungsbogen, und jede Gemeinde hat am Start die gleiche Chance, als Sieger hervorzugehen: Mehrere Tage lang waren die Mitglieder der Kreiskommission unterwegs, um zehn Gemeinden zu besuchen und zu bewerten. Dabei erfuhren die Jurymitglieder so einiges darüber, was in den Orten passiert und mit welchen Stärken sie glänzen können.

Kehrig war die Letzte von zehn Stationen, die sie sich bei sonnigem Wetter von ihrer schönsten Seite präsentieren konnten. Dabei ging es darum, die Jury davon zu überzeugen, wie zukunftsfähig und bürgerverbunden ihr Dorf ist. Am Beispiel Kehrig lässt sich zeigen, was den Wettbewerb ausmacht. Ortsbürgermeister Herbert Keifenheim hieß die Kommissionsmitglieder willkommen und gab zunächst einen ersten Überblick über jüngste Entwicklungen und Ereignisse im Ort. Er leitete den anschließenden Rundgang, um das Gesagte anschaulich zu machen.

Kehrig hat einiges zu bieten: eine ziemlich komplette Infrastruktur, keinen Häuserleerstand und ein vielfältiges Vereins- und Kulturleben mit reichlich ehrenamtlichem Engagement. Die kleineren und größeren Errungenschaften der Gemeinde sind unter anderem der teilweise schon begrünte Platz vor dem Bürgerhaus und ein Grünes Freiluft-Klassenzimmer der Grundschule. Die Schule selbst wird demnächst teilsaniert und -renoviert – allerdings in kleinerem Umfang als ursprünglich geplant, weil Zuschüsse nicht in der erhofften Höhe fließen.

Der im Ortsinnern durch ein Rohr geführte Klosterbach erhält demnächst ein größeres Durchlassrohr, damit Starkregen nicht mehr zu Überschwemmungen führt. Die Offenlegung des Baches scheitert jedoch bisher am Grunderwerb. Zu den reinen Dorfverschönerungsmaßnahmen gehören unter anderem ein renoviertes Bruchsteinhaus mit Fachwerkobergeschoss in der Nachbarschaft zum Bürgerhaus und die Edith-Stein-Statue vor der Kirche.

Als Besonderheit durfte Ortsbürgermeister Keifenheim den neuen Motorik-Park neben dem Schulhof vorstellen. Es handelt sich um ein Projekt des Fördervereins der Grundschule, das komplett in Eigenregie geplant, aufgebaut und finanziert worden ist. Es dient dazu, die körperliche Geschicklichkeit von Kindern zu entwickeln und zu bewahren. Der Förderverein ist zudem einer von 23 Kandidaten, die in diesem Jahr am kreiseigenen Wettbewerb „Dorfverschönerung durch Vereine“ teilnehmen – in der Hoffnung, wenigstens einen Teil von den ausgelobten 5000 Euro Preisgeld zu gewinnen. Dieser Wettbewerb läuft schon zum 36. Mal parallel zu „Unser Dorf hat Zukunft“.

In seinen Erläuterungen verwies Ortsbürgermeister Keifenheim gegenüber der Kommission in ungeschminkter Art auch auf jene Seiten der Gemeinde, die besser laufen könnten. Es gibt 72 unbebaute Baugrundstücke, die derzeit dem Markt vorenthalten sind, weil die Eigentümer sie nicht verkaufen wollten, sagte er. Das Verwirklichen von neuen Baugebieten sei langwierig, erfordere Geduld und werde durch die Notwendigkeit, Gutachten erstellen zu müssen, erschwert.

Auf RZ-Nachfrage gab der Kommissionssprecher Alois Astor an, dass das Wettbewerbsniveau in diesem Jahr gut und ziemlich ausgeglichen sei. Er blickt auf eine Zeit von 25 Jahren zurück, an denen er schon an etwa 20 Wettbewerben beteiligt war. Mit Blick auf Kehrig lässt er sich zum Abschluss des Rundganges zumindest so viel entlocken: Die Gemeinde habe verschiedene Entwicklungskonzepte und eine verkehrsgünstige Lage. Nicht alle 72 Baulücken müssten geschlossen werden, sonst ginge der Dorfcharakter wohlmöglich verloren. Ein offener Bach „wäre toll“. Die Infrastruktur des Ortes sei gut.

Nun sind alle gespannt, wie ihr Ort abschneiden wird. Auch Ortsbürgermeister Keifenheim war neugierig, welchen ersten Eindruck die Kommission in Kehrig gewonnen hat. Doch ein wenig müssen sich die Teilnehmer noch gedulden. Die Ergebnisse der Bewertung werden erst in den nächsten Tagen öffentlich.

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Die Kommission bekam in Kehrig einiges zu sehen und zu hören. Beim Rundgang mit dabei waren Bürgermeister Alfred Schomisch (links), Ortsbürgermeister Herbert Keifenheim (2. von rechts) und Kommissionssprecher Alois Astor (rechts). Foto: Axel Holz