Kurz vor Kriegsende die Schrecken des Krieges erlebt

Als der Eifelort Kehrig nach einer sinnlosen Gegenwehr der Wehrmacht 1945 in Flammen stand

In einem lesenswerten Aufsatz schildert Josef Fuhrmann (* 1937) seine Kindheit in dem Eifeldorf zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Einen großen Teil des Beitrags nehmen die tragischen Ereignisse vor mehr als 70 Jahren ein, als am 7. März 1945 Kehrig durch US-Truppen beschossen und eingenommen wurde. Viele Bewohner verloren hierbei durch Brände „Hab und Gut“ und einige Zivilpersonen sogar ihr Leben. Es sind ergreifende Erinnerungen an eine schwere Zeit in der Geschichte des Eifeldorfs.

Hier auszugsweise der Text: „Im Herbst 1944 bekamen auch die Einwohner von Kehrig, wie kaum ein anderes Dorf in dieser Region, die Schrecken des Krieges zu spüren. Wie bekannt, war das Viadukt in Mayen Ziel feindlicher Bombenangriffe, da über diese Bahnstrecke der Nachschub für die Westfront rollte. Zudem liegt Kehrig an der damals wichtigen Verkehrsstraße zwischen Koblenz und Trier. Daher blieb es nicht aus, dass Kehrig etliche Male mit Bomben attackiert wurde und dass deutsche Wehrmachtsfahrzeuge von feindlichen Tieffliegern beschossen wurden. Auch Passanten waren vor Angriffen dieser Art nicht gefeit. Ende Oktober 1944 wurden die letzten Einsatzkräfte mobilisiert. Das hieß, alle Männer, die ihres Berufes oder Amtes wegen vom Wehrdienst freigestellt waren, wurden zum Westwalleinsatz eingezogen. Nach der Einberufung dieser Männer bestand die Kehriger Bevölkerung fast nur noch aus alten Leuten, Frauen, Kindern, gefangenen Helfern und einquartierten deutschen Wehrmachtsangehörigen.

Der Schulbetrieb kam Ende Oktober 1944 ganz zum Erliegen. Außerdem waren zur Brandbekämpfung vier Brandweiher (Löschteiche) im Ortsbereich angelegt worden. Kehrig besaß zu diesem Zeitpunkt noch keine zentrale Wasserversorgung. Als zusätzlicher Schutz der Bevölkerung sollten drei an den Haupteinfahrtsstraßen errichtete Panzersperren dienen. Doch es kam alles ganz anders mit einer schrecklichen Feuersbrunst. Wie kam es, dass gerade in Kehrig ein solches Inferno entstand? Ein Oberleutnant aus Ostpreußen baute mit seiner Einheit am Ortsausgang in der Nähe der heutigen Elztalhalle 8,8-Zentimeter-Geschütze auf, um dem anrückenden Feind nochmals Widerstand zu leisten. Auf Bitten einheimischer Männer, dieses Ansinnen doch zu unterlassen, erwiderte er, dass seine Heimat zerstört sei und dass es diesem Dorf (Kehrig) nicht besser zu ergehen brauche! Er bedrohte die Bittsteller sogar mit der Schusswaffe und forderte sie zum Verschwinden auf.

Als dann der erste feindliche Panzer vom Elztal her auftauchte, wurde er prompt von der schweren Flak getroffen und die Panzerbesatzung getötet. Die alliierten Soldaten waren schon gar nicht mehr auf Kampf eingestellt, als sie die Attacke unerwartet traf. Daraufhin erwiderten die Amerikaner das Feuer, zuerst vom Düngenheimer Berg aus und anschließend auch von der dem Ort zugewandten Seite des Elztales, so dass Kehrig aufgrund der Borniertheit eines Verrückten die beschriebenen Schaden erleiden musste.

In einem Wehrmachtsbericht hieß es: „Schwere Kämpfe bei Kehrig“. Nach den Aussagen eines amerikanischen Soldaten soll sogar eine alliierte Jagdbomberstaffel angefordert worden sein, die allerdings wetterbedingt nicht starten konnte. Unglücklicherweise hatte sich in Kehrig der letzte Widerstand der deutschen Truppen vollzogen. Nach den Kämpfen, herrschte im Ort ein wildes Chaos. Überall loderten noch Flammen, und es stank bestialisch. Tote und verkohlte Tierkadaver lagen in Ställen und Höfen. Tiere, die noch frei gelassen werden konnten, irrten orientierungslos im Ort herum. Auch herrenlose Pferde der deutschen Wehrmacht waren darunter. In den Straßen kreuzten die Amerikaner mit ihren Jeeps und Armeefahrzeugen. Sie begannen, Telefonleitungen und Kabel zu verlegen. Damit war der Krieg für Kehrig vorbei.“ (aus: www.kehrig-eifel.de)

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Der Ortskern von Kehrig. Vor mehr als 70 Jahren wurde das Dorf von den heranrückenden Alliierten schwer zerstört, weil ein fanatischer Wehrmachtsoffizier hier eine Panzerabwehr errichtete. Fotos: Heinz Fuhrmann