Nun ist auch die letzte Gaststätte in Kehrig zu

Gastronomie Warum das Traditionslokal im Ortskern nicht mehr betrieben wird

 

 

Kehrig. Für Rosemarie Kaiser ist es ein trauriges Ereignis. „Ich bin sehr traurig darüber und habe schon viele Tränen vergossen“, sagt sie. Gerne hätte sie noch weitergemacht, doch das Traditionslokal „Martini-Pörsch“ hat nun endgültig geschlossen.

Die Gaststätte mit der familiären Atmosphäre hatte sie in fünfter Generation mit ihrem Partner Herbert Wollny betrieben. Die schräg gegenüber der Kirche gelegene Eckkneipe gab dem Ortskern seit mehr als 100 Jahren eine besondere Note. Aus gesundheitlichen Gründen hat Kaiser vor wenigen Tagen ihre traditionsreiche Gastwirtschaft und den dazugehörenden Saal endgültig aufgegeben. „Die Entscheidung, unsere Gaststätte, ohne einen geeigneten Nachfolger zu finden, nun zu schließen, ist uns sehr schwergefallen.“

Die Kinder von Rosi Kaiser wollen nicht in ihre Fußstapfen treten, um den Betrieb fortzuführen. Mit dem Aus der Familientradition geht ein Stück Kehriger Ortsgeschichte zu Ende. Der dörfliche, in Kehrig unter dem Namen „Brecke“ (Brücke) bekannte Gastronomiebetrieb war die letzte von ehemals vier Gaststätten der Vordereifelgemeinde. „Bedingt durch einen schleichenden gesellschaftlichen Wandel mit einem geänderten Ausgehverhalten sterben die alten Traditionshäuser langsam im ländlichen Raum aus“, sagt die 61-Jährige.

In der Historie der beliebten Anlaufstelle spiegelt sich ein deutschlandweiter Trend wider. Das Feierabendbier in den Dorfgasthäusern, das die Männer früher an der Theke mit Gleichgesinnten zu sich nahmen, gibt es nicht mehr. Die Gastronomin hat viele schöne Erinnerungen, wenn sie an Veranstaltungen zurückdenkt, die früher in ihrem Saal stattfanden. Besonders die Tanz- und Karnevalsveranstaltungen bildeten die jährlichen Höhepunkte im Gasthaus. „Die Tanzabende gibt es schon lange nicht mehr. Und die großen Karnevalsveranstaltungen finden, seitdem die Elztalhalle gebaut wurde, verständlicherweise dort statt.“ Es war ein schleichender Prozess.

Bis zuletzt haben zwei Stammtische und das Männerballett die „Kehriger Ochsen“ dem Vereinslokal des TuS und des JGV die Treue gehalten. Kaiser kann sich gut daran erinnern, als die Gaststätte und der Saal in den 60er-Jahren durch eine bauliche Veränderung eine Aufwertung erfuhren und modernisiert wurden. Seit der Baumaßnahme gliederte sich der Saal auf gleicher Ebene harmonisch an die Gaststätte.

Nicht nur ihre Stammgäste, sondern auch Ortsbürgermeister Herbert Keifenheim bedauern die Schließung sehr. Sie können jedoch die Gründe, die gesundheitliche Situation und die wirtschaftliche Seite, nachvollziehen. „Nur von den Getränken kann ein Wirt nicht leben, zumal die Nebenkosten einen nicht unerheblichen Anteil des Umsatzes aufzehren“, sagt der Ortschef. Die Räumlichkeiten werden fehlen: Neben den Gemeinderatssitzungen fanden die Jahreshauptversammlungen der Vereine, Familienfeiern aller Art und Kirmesfeierlichkeiten statt. Die Ortsgemeinde wollte nicht tatenlos zusehen, denn:„Rosi Kaiser hatte sich wegen der anstehenden Schließung schon frühzeitig an die Verbandsgemeinde Vordereifel und an uns gewandt. Da wir als Ortsgemeinde die Immobilie ja nicht kaufen konnten, hatten wir Kontakt zu der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Mayen-Koblenz aufgenommen“, sagt Keifenheim. Denkbar wäre für den Ortschef ein Wohnkonzept „Jung und Alt“ gewesen, „doch ohne Konzept und ohne Investor ist einfach nichts zu machen.“ Jetzt soll die Immobilie über einen Makler veräußert werden.